Das Königreich Böhmen; Bunzlauer Kreis. Allodialherrschaft Friedland.

Das Königreich Böhmen; statistisch-topographisch dargestellt von Johann Gottfried Sommer. Bunzlauer Kreis.

Allodial-Herrschaft Friedland.

[Von Franz Xaver Maximilian Zippe.]

Der gegenwärtige Besitzer dieser Herrschaft ist der k.k. Geheimerath etc. etc. Christian Christoph Graf von Clam-Gallas; die frühern Besitzer sind bei der Herrschaft Reichenberg nachzusehen, mit welcher Friedland stets im Besitzthume vereinigt war. Der berühmte kaiserliche Generalissimus im 30jährigen Kriege, Albrecht von Waldstein, führte von dieser Herrschaft den Titel eines Herzogs von Friedland; doch war unter dem Herzogthume Friedland nicht bloß diese Herrschaft, sondern seine sämmtlichen böhmischen Besitzungen, 68 an der Zahl, begriffen, und er wählte den Namen Friedland, weil diese darunter die größte war und weil bloß im Bezirke dieser adelige Lehngüter lagen. Diese Lehngüter wurden unter dem Besitze der Grafen Gallas nach und nach alle eingekauft. (Siehe Landtäfliches Hauptbuch Litt. F. Tom. II. Fol. 101.)

Die Herrschaft Friedland gränzt gegen Westen an den Lausitzer Kreis des Königreichs Sachsen, gegen Norden und Osten an das Königreich Preußen, und zwar an den Görlitzer und Laubaner Kreis der ehemaligen Oberlausitz, und an den Löwenbergischen Kreis von Schlesien, (von welchem sie zum Theile durch einen gegen eine Stunde langen sehr schmalen Landstrich, auf dem hohen Gebirge zwischen den Quellen der Großen Iser, getrennt wird, welcher das Streitstück genannt wird, weil über den Besitz desselben zwischen Böhmen und Schlesien noch nicht entschieden ist), gegen Süden an die Herrschaften Semil, Morchenstern und Reichenberg. Der Flächeninhalt der Herrschaft beträgt 60.783 Joch 1.309 Quadrat Klafter oder 6⅟16 Quadrat Meilen, der ganze Umfang 24 Meilen. Sie bildet ein zusammenhängendes Areal; nur an der westlichen Gränze, bei Waigsdorf, sind einige nach Sachsen gehörige Dörfer und einzelne Höfe innerhalb des herrschaftlichen Bezirkes.

Nach dem Katastral-Zergliederungssummarium vom Jahr 1832 betrug die nutzbare Bodenfläche:

Dominicale.Rusticale.Zusammen.
Joch.Quadrat Klafter.Joch.Quadrat Klafter.Joch.Quadrat Klafter.
Ackerbare Felder2.7481.14111.53817314.2861.314
Teiche mit Aeckern verglichen456694351471.020
Trischfelder885661.3458971.4331.463
Wiesen1.9469436.597998.5431.042
Gärten81.258101.06019718
Teiche mit Wiesen verglichen1471.114131.069161583
Hutweiden etc.1.0918394.5193565.6101.195
Waldungen24.3247316.3521.24230.677373
Ueberhaupt30.40186130.38144760.7821.308

Den südlichen Theil der Herrschaft bildet das hohe Isergebirge, oder der westliche Flügel des Riesengebirges, auch das Lausitzer Gebirge genannt, welches sich mit seinem größten, rauhesten und höchsten Theile hier verbreitet, und von da auf die südlich angränzenden Dominien abdacht. Die höchsten Punkte dieses Gebirges sind hier: die Tafelfichte, auf der Gränze zwischen Preußen und Böhmen, 607 Wiener Klafter, nach Hoser, nach Dr. Riemann aber nur 582 Wiener Klafter über der Nordsee; der Mittel-Iserkamm, (der Hohe Iserkamm ist in Schlesien östlich von diesem); der Wohlsche Kamm (auch der Pohlsche oder Welsche Kamm genannt), 578 Wiener Klafter nach Gersdorf. Diese Kämme sind lange, gezogene, in nordwestlicher Richtung fortlaufende Gebirgsrücken, welche aus mehren sich nicht bedeutend hervorhebenden Kuppen bestehen, und den höchsten Theil dieses rauhen Gebirges bilden; ferner der Keulichte Buchberg, 505 Wiener Klafter nach Hoser, nach Dr. Riemann aber 520 Wiener Klafer über der Nordsee; die Steinkoppe, der Sieghübel, der Mittagsstein, der Schwarze Berg, welcher zum Theil schon auf der Herrschaft Reichenberg liegt, die Vogelberge, der Mittagsberg, der Brechstein, der Hemmerich, der Scheibenberg (oder Scheibaberg), der Spitzberg, sämmtlich im Hochgebirge. Als Vorberge von minderer Höhe, am nördlichen Rande des Gebirges, finden sich: der Schwarze Berg, der Scharfstein, der Grubenberg, der Mittagstein, der Keuliche Berg, der Hauskirchenberg, der Dreßlerberg, der Sauberg, der Kupferberg und der Rappelt. Diese genannten Berge sind meist unter einander und mit dem ganzen Gebirgsstocke vereinigt, und nicht durch tiefe Thäler von einander getrennt; es sind eigentlich die mehr hervorragenden Theile des sehr abgeplatteten Gebirges. Nur die am nördlichen Rande sind durch tiefere Einschnitte und Schluchten von einander getrennt, und stehen mehr isolirt, zeigen daher auch steilere und öfertes klippige Gehänge. Der bei weitem größere nördliche Theil der Herrschaft ist niedriges Hügelland, welches allmählich in Flachland übergeht, über welches nur hie und da einzelne Bergkuppen oder kleine Hügelgruppen hervorragen, oder sich zum Theile als Hügelketten durch dasselbe hinziehen, worunter eine derselben die ganze Herrschaft von der westlichen Gränze bei Friedland, bis zur östlichen bei Dittersbächel, durchzieht. Die Benennungen der einzelnen Berge und Bergkuppen werden bei der Topographie der Ortschaften angegeben werden.

Die Felsarten dieses weitläufigen Herrschaftsbezirkes sind eben so mannichfaltig, als die Gestaltung desselben in ortographischer Hinsicht verschieden ist. Das Hohe Isergebirge besteht fast durchaus aus einem grobkörnigen Granite, der durch eingemengte größere Feldspathkrystalle porphyrartig erscheint. Vermöge seiner leichten Verwitterbarkeit erscheint er seltener in schroffen grotesken Felsmassen anstehend, häufig, besonders auf der Höhe des Gebirges, kommt er in großen abgerundeten Blöcken vor, welche halb vereinzelt, bald in übereinandergeworfenen Haufen, sich auf den langgezogenen Gebirgsrücken und an deren Gehängen finden. Nur längs dem nördlichen Abhange des Gebirges, mit welchem es sich steil aus der Ebene erhebt, und in den tiefen Schluchten und Thaleinschnitten dieses Abhanges, finden sich häufiger groteske Felsmassen dieses Gesteines, steile Wände und jähe Abstürze bildend; so am Schorfstein, Brechstein, an der Saustirn, am Hemmerich und in den Thalschluchten bei Haindorf und Weisbach, Granitblöcke, im Verlaufe von Jahrtausenden durch Verwitterung der Felsmassen von diesen getrennt, und zum Fuße des Gebirges herabgerollt, finden sich längs demselben, und werden besonders im Flußbette der Wittiche, wo sie von Dammerde entblößt sind, bemerkbar; bei Mildeneichen und Haindorf findet man im Flußbette auch anstehende Granitmassen. Außer dem Granit findet sich als Felsart des Isergebirges der Gneus; er erscheint jedoch hier sehr zurückgedrängt, bildet den höchsten Punkt des Isergebirges, die Tafelfichte, fällt aber von da steil ab, und nur der Sauberg gehört noch zu seiner Bildung. Mehr verbreitet sich derselbe an den niedern Bergen, zunächst dem Fuße des Isergebirges, bei Liebwerda, am Klötzerbusch, bei Karolinenthal, Mildeneiche, Raspenau, Dittersbach und Wüst-Ullersdorf, wo er sich wieder mehr ins Hochgebirge hinaufzieht, und den Schwarzen Berg, den Scheibenberg und den Spitzberg bildet. Diese Felsart erscheint jedoch hier meist als gneusartiger Granit, und findet sich nicht als charakteristischer flasriger Gneus. Glimmerschiefer, meist aber Chloritschiefer, bildet die Berge nördlich der Tafelfichte bei Neustadtel, und verbreitet sich von da in einem schmalen Striche über Lustorf bis Raspenau. An letzterm Orte findet sich im Gneuse ein Lager von Urkalkstein, oder eigentlichem Ophikalcit. Das niedrige Land, nördlich des Lomitzbaches, hat wieder Granit zu seiner Unterlage, welcher aber nur an wenig Orten als festes Gestein angetroffen wird, so an den Hügeln bei Nieder-Ullersdorf, Göhe und Ebersdorf an der äußersten Gränze, bei Wiese, Engelsdorf, am Sauberge bei Waigsdorf, bei Pridlanz, Arnsdorf und Schönwald; meist ist er zu Sand aufgelöst, der die Niederungen zwischen den Hügeln ausfüllt. Von den Felsarten der vulkanischen Trappformation findet sich Basalt am Keulichten Buchberg auf dem Isergebirge, dann an mehren isolirten Bergen und Kuppen von nicht bedeutender Höhe, als am Friedländer Schloßberge, am Hagberge, am Rösselberge und einigen unbedeutenden Hügeln bei Wiese und Tschirnhausen; Klingstein kommt am Geyersberge bei Friedland vor.

Unter den jüngern Formationen, den sogenannten Diluvial-Gebilden, findet sich hier die äußerst merkwürdige, edelsteinführende Formation, auf der Höhe des Isergebirges, hauptsächlich auf der Iserwiese. Sie besteht aus einer weit verbreiteten Ablagerung von Gerölle, Gneus und Sand, in welchem kleine Geschiebe und Körner von Titaneisen, (vom Fundorte Iserin genannt), von schwarzen Spinellen, Hyazinthen, Granaten und Sapphiren vorkommen; die letztern sind zuweilen ziemlich rein und schön von Farbe, jedoch selten von einiger Größe. Auf dem weitverbreiteten Rücken dieses Gebirges giebt es auch bedeutende Torfmoore, welche aber der Lage nach unbenützbar sind.

Die Gewässer der Herrschaft, sämmtlich auf ihrem Gebiete entspringend, gehören größtentheils zum Flußgebiete der Oder, nur einige zu dem der Elbe. Das stärkste dieser Gewässer ist der Wittigfluß, auch die Wittche, Wüthige genannt. Sie sammelt sich im hohen Gebirge aus mehren kleinen Flüßchen, welche an der Nordseite des Schwarzen Berges und des Sieghübels entspringen, und die Weiße und Schwarze Wittig, das Hintere Wasser, das Gänsewasser und der Tiefe Graben genannt werden, eilt mit starkem Gefälle durch Weißbach (wo sie den vom Dreßlerberge herabkommenden Hegbach und den Fischbach aufnimmt), nach Haindorf und Mildeneichen, wo ihr der Liebwerder Bach zufließt; ferner durch Raspenau und Mildenau nach Friedland, bis wohin sie den Charakter eines wild daher brausenden Gebirgsbaches behauptet. In Raspenau nimmt sie die von den Vogelbergen herabkommende Stolpige auf, welche aus dem Zusammenflusse der Weißen und Schwarzen Stolpige, und einer Menge kleiner Flüßchen sich bildet, und bei Ferdinandsthal einen schönen Wasserfall macht; ferner den Telkebach, und in Mildenau den Lomnitzbach, welcher aus den im Gebirge bei Neustadtel entspringenden vielen kleinen Waldflüßchen entsteht und gleichfalls westwärts fließt, endlich noch einige unbekannte vom Hemmerich, dem Brechsteine und Scheibaberge herabkommende Gebirgsbäche. Bei Friedland nimmt die Wittig allmählich eine mehr nördliche Richtung und einen sanftern Lauf an, verstärkt sich durch den Rasnitzbach, welcher in dem waldigen Hummerich hart an der Landesgränze entspringt und ebenfalls westwärts fließt, ferner durch die kleinen Bäche, das Thonwasser und den Grundbach, endlich bei Priedlanz durch den Bullendorfer und Berzdorfer Bach, tritt dann bei Wiese als ein kleiner Fluß, welcher die meisten Gewässer der Herrschaft vereinigt hat, über die Gränze, und fällt bei Radmeritz in der Lausitz in die Neisse, auf diesem Wege noch die Staaten Preußen und Sachsen von einander scheidend.

Der Wittigfluß wird zum Holzflößen benützt; er richtet durch Ueberschwemmungen oft großen Schaden an. Außer diesem gehören noch zum Flußgebiete der Oder die im Gebirge bei Dittersbächel, Heinersdorf und Wünschendorf entspringenden Wässer, welche in einen Bach versammelt, bei letztgenanntem Orte, zum Theile auf eine kurze Strecke, die Gränze mit Schlesien bilden, und bei Marklissa in den Queiß fallen; ferner der Nieder-Ullersdorfer Bach, der nach kurzem Laufe über die Gränze tritt; das Höllenwasser, welches am Jokelsberge bei Bullendorf entspring, bis Seidenberg die Gränze mit der preußischen Lausitz bezeichnet, und jenseits derselben bei Wilke in die Wittig fließt. Der Kyprabach fließt aus dem am Spitzberge, Scheibenberge und Schwarzen Berge, bei Wüst-Ullersdorf, entspringenden Mordwasser und Erlwasser zusammen, nimmt bei Hermsdorf das Hofflößel auf, und fließt da über die Gränze nach Sachsen, wo er bei Hirschfeld in die Neisse fällt.

Zum Elbeflußgebiete gehörend entspringt hier die Iser; sie vereinigt unter dem Keulichten Buchberge ihre beiden Hauptquellen, die Große und die Kleine Iser, als zwei schon ziemlich starke, reißende Gebirgsbäche. Die Große Iser entspringt aus mehren Quellen unter dem Wohlschen Kamme, am Dreßlerberge und dem Keulichten Steine, fließt südlich zwishcen dem Hohen und Mittlern Iserkamme, nimmt von diesen beiden Gebirgsrücken eine Menge kleiner Gewässer auf, und bildet auf diesem Wege die Gränze mit Preußen. Die Kleine Iser entspringt aus den sumpfigen Iserquellen am Hinterberge, und fließt zwischen dem Wohlschen Kamme und dem Mittlern Iserkamme über die Iserwiese. Nach Vereinigung dieser beiden bildet die Iser noch auf eine Strecke die Gränze mit Schlesien, und tritt auf das Gebiet der Herrschaft Semil. Ferner entspringen hier noch die Weiße und Schwarze Desse, beide am Sieghübel, treten aber bald nach ihrem Ursprunge auf die Herrschaft Morchenstern.

Die sämmtlichen Bäche und Flüßchen der Herrschaft führen bloß Forellen. Teiche werden gegenwärtig 9 unterhalten, davon als Hauptteiche der Pfaffenteich bei Ober-Berzdorf, der Puschteich und der Mühlteich bei Schönwald, als Streckteiche der Mühlteich bei Zahne, der Flarrteich bei Ober-Berzdorf, der Rasnitzteich bei Schönwald, und als Kammerteiche drei kleine Teichel bei Schönwald, sämmtlich mit Karpfen und Forellen besetzt sind. Die übrigen vormals bestandenen, 72 an der Zahl, sind aufgelassen und werden als Aecker oder Wiesen benützt.

Die Waldungen der Herrschaft sind in 12 Reviere eingetheilt, wovon 7 Gebirgsreviere die Waldung auf dem Isergebirge, und 5 Landreviere die zerstreuten Waldungen der Niederung begreifen; im Ausmaße betragen sie nach eigenen Angaben des Friedländer Amtes sämmtlich 24.406 Joch 423 Quadrat Klafter. Die niedern oder Landreviere haben gemischte Waldung von Fichten, Tannen, Kiefern, etwas Lärchen, Buchen und Eichen; auf dem Gebirge herrscht die Fichte, bloß auf den vordern niedern Bergen finden sich auch Tannen und Buchen.

Im höchsten Gebirge trifft man sehr häufig die Zwergkiefer oder das Knieholz (Pinus pumilio), und zwar hier mit hochstämmigen Fichten untermischt, meist an sumpfigen Moorgründen. Die Waldwirthschaft auf dem Hochgebirge ist sehr beschwerlich, und vermindert durch ihre Kosten sehr den sonst bedeutenden Ertrag der Forsten. Die Unterthanen besitzen 6.270 Joch 1.250 Quadrat Klafter eigenthümliche Waldungen. Das Holz findet größtentheils auf der Herrschaft selbst Absatz; der Ueberfluß geht nach Sachsen.

Der Wildstand für hohe und niedere Jagd ist nicht mehr so bedeutend, als er nach der Ausdehnung der geschlossenen Waldungen seyn könnte; Hochwild findet sich nur auf dem Isergebirge. Die Herrschaft unterhält eine Fasanerie.

Der ackerbare Boden des niedern Landes ist theils sandig und kiesig, theils lehmig und thonartig, oft auch naßgallig; er braucht viele Düngung und gute Kultur; erbaut wird von Getreidearten bloß Korn, Hafer und wenig Gerste, dann hauptsächlich Erdäpfel und Flachs. Obstkultur wird wenig betrieben, und findet meist bloß in einigen geschlossenen Gärten Statt; Obstalleen finden sich nur wenige.

Der landwirthschaftliche Viehstand der Unterthanen beschränkt sich auf Rindviehzucht; der Viehschlag ist als einer der krätigsten in Böhmen bekannt, und abgeschlachtete Kälber werden viele nach Prag verführt. Die Obrigkeit hat auch veredelte Schafzucht; Bienenzucht wird nicht viel betrieben.

Die Stärke des Viehstandes ergiebt sich aus folgender Uebersicht vom 30. April 1833:

bei der Obrigkeit.bei den Unterthanen.Zusammen.
Pferde65 (60 Alte, 5 Fohlen)634 (622 Alte, 12 Fohlen)699
Rindvieh577 (13 Zuchtstiere, 14 junge Stiere, 269 Kühe, 145 Kalbinnen, 4 Mastochsen, 93 Zugochsen, 19 junge Ochsen)9.029 (42 Zuchtstiere, 26 junge Stiere, 6.146 Kühe, 1.740 Kalbinnen, 28 Mastochsen, 851 Zugochsen, 196 junge Ochsen)9.586
Schafe5.097 (4.874 Alte, 223 Lämmer.)1.131 (908 Alte, 223 Lämmer.)6.228

Von den früher bestandenen 19 Maierhöfen der Herrschaft sind 6 emphiteutisirt, 4 zeitlich verpachtet, und 9 werden von der Obrigkeit in eigener Regie bewirthschaftet.

Die Nahrungsquellen der Einwohner sind vorherrschend Ackerbau und Viehzucht; doch beschäftigen auch die Gewerbe hier eine bedeutende Anzahl Menschen; viele treiben auch Holzhandel. Die Zahl der Meister von zünftigen Polizeigewerben ist, mit Ausnahme der beiden Städte Neustadtel und Friedland, 280 mit 97 Gesellen und 13 Lehrlingen, nämlich 32 Bäcker, 22 Fleischhauer, 33 Hufschmiedte, 61 Schuhmacher, 33 Schneider, 3 Maurer, 2 Zimmerer, 9 Faßbinder, 46 Müller, 19 Wagner, 11 Tischler, 4 Glaser, 1 Rauchfangkehrer, 2 Steinmetze und 2 Oelschläger. Commerzial-Gewerbe betreiben 2 Schlosser, 1 Schwarz- und Schönfärber, 2 Drechsler, 2 Rothgärber, 1 Uhrmacher, 10 Ringelmacher, 1 Papiermacher, 1 Glashütte mit 3 Gesellen und 7 Leinwandbleicher; zusammen 31 Personen. Weber, welche um Lohn, hauptsächlich für die Fabrikanten der Gegend von Warnsdorf und Rumburg arbeiten, sind 945. Handel treiben 17 Krämer und 19 Hausirer.

Das Sanitätspersonale auf der Herrschaft besteht aus einem Arzte, 3 Wundärzten und 30 geprüften Hebammen.

Das Armeninstitut wurde auf der Herrschaft fast in allen Ortschaften zwischen den Jahren 1785 und 1790 durch den damaligen Bezirksvikär und Domherrn Tobias Schöpfer eingeführt. Mit Ausnahme der Städte Friedland und Neustadtel, welche ihre eigenen Institute haben, besitzt das herrschaftliche an Stammvermögen, und zwar an 2 pro Cent ständischen Obligazionen 2.520 Gulden W. W., an 5 pro Cent Stammkapitalien 6.510 Gulden 27½ Kreuzer W. W. und 116 Gulden C. M. Die jährliche Einnahme an Kapitalsinteressen und an Beiträgen durch Sammlungen, zu welchen die Obrigkeit jährlich 100 Gulden W. W. widemt, beläuft sich auf 1.315 Gulden 32¾ Kreuzer W. W.; es werden 168 Arme unterstützt.

Die Anzahl der Einwohner ist 32.203, welche in 2 Städten und 47 Dörfern, zusammen 5.452 Häusern wohnen. Seit 1788 haben sich die letztern um 1.638, und die Einwohner um 11.322 vermehrt. Die Sprache ist bloß die teutsche, und die Mehrzahl der Einwohner sind Katholiken; die Anzahl der protestantischen Familien, die in den Gränzorten Hermsdorf, Pridlanz, Waigsdorf, Ebersdorf, Wustung, Wünschendorf, Lautsche und Göhe ansäßig sind, ist 460, bestehend aus 1.750 Personen.

Eine Hauptstraße durchschneidet die Herrschaft; sie führt von Reichenberg über Friedland nach Seidenberg in der Preußischen Ober-Lausitz. Mehre gut unterhaltene Landstraßen verbinden die Ortschaften der Herrschaft unter einander, und mit den benachbarten Orten der angränzenden sächsischen und preußischen Lande; eine davon, die Hohe Straße genannt, führt von Wigandsthal im Preußischen, über Neustadtel und Friedland, nach Zittau in Sachsen.

Folgendes sind die Ortschaften des Dominiums:

1. Schloß Friedland, sammt dem Schloßbezirke von 45 Häusern zusammen mit 258 Einwohnern. Die Burg Friedland, von welcher die Stadt und Herrschaft den Namen hat, ist 15 Meilen von Prag, 9 Meilen von der Kreisstadt Jung-Bunzlau, 2 Meilen von der Stadt Zittau in Sachsen, und eine Meile von der Gränze entfert. Sie steht auf einem merkwürdigen, von den Ufern des Wittigflusses sich sehr steil, gegen 30 Klafter erhebenden Basaltfelsen, von schöner säulenförmiger Zusammensetzung, welcher bloß von der Nordseite, gegen die er sich allmählich abdacht, zugänglich ist. Die Burg hat daher nur ein an der Nordseite befindliches Thor, ist überdieß mit einer 10 Fuß dicken und 50 Fuß hohen Mauer umgeben, und wird in das Obere und Untere Schloß eingetheilt. Das Erstere ist der älteste Theil der Burg, die eigentliche alte Ritterburg; sie bildet ein unrelgemäßiges Viereck von 79 Klaftern im Umfange, und hat einen 26 Klafter hohen Thurm. Diese alte Burg, eine der ältesten und am besten erhaltenen in Böhmen, wurde im Jahr 1014 durch den Ritter Berkowetz oder Berka gegründet, der zuerst den noch stehenden Thurm erbaute, zu welchem seine nächsten Nachfolger, die Berka von Duba, noch im XI. Jahrhundert die Burg hinzufügten. Der erste Name dieser Burg soll Indika (Indica) gewesen seyn; dieser alte Theil des Friedländer Schlosses ist sehr gut erhalten; es befindet sich darin eine Schloßkapelle, ein Rittersaal mit den Bildnissen sämmtlicher Besitzer von Friedland, von Melchior Freiherrn von Rädern (†1600) anfangend bis auf den gegenwärtigen, sämmtlich in Lebensgröße, worunter die Porträts von vielen merkwürdigen Männern, als von Albrecht, Herzoge von Friedland (welches für das beste unter allen bekannten Porträts dieses berühmten Mannes gehalten wird; es ist vom Jahr 1626), von Mathias Grafen von Gallas, nebst andern ältern und neuern Familengemälden; dann ein Gemach mit einigen und zwanzig andern, ältern Gemälden, worunter die Skizze von dem trefflichen Altarblatte der Domkirche zu Leitmeritz, von Skreta, 4 Landschaften von Reiner, ein Bild von Marchetti und eins von Karl Loth, vorzüglich merkwürdig sind; ferner eine Rüstkammer mit vielen merkwürdigen alten Waffenstücken. Der untere Theil der Burg wurde 1551 von Christoph Freiherrn von Biberstein erbaut, ist gegenwärtig der Sitz des Amtes und der Kanzleien der Herrschaft, und wird von den Beamten bewohnt. - Das Schloß hat in älteren Zeiten, seiner Festigkeit wegen, wenig gelitten, und die Hussiten auf ihren Zügen in dieser Gegend, 1428 und 1433, wagten es nicht, dasselbe anzugreifen. Im 30jährigen Kriege wurde es bald von kaiserlichen, bald von schwedischen Truppen belagert und besetzt, und von den Letztern im Jahr 1645 auch die äußern Mauern verstärkt, so wie das äußere Thor gebaut und mit einer Zugbrücke versehen. Im Jahr 1676 wurde das Dach und obere Stockwerk des westlichen Flügels durch Blitz entzündet, welches Graf Franz Gallas wieder herstellen ließ; derselbe errichtete seinem Vater das an diesem steinernen Gebäude befindliche Monument. Am 10. Dezember 1744 übernachteten hier 8.000 Preußen auf ihrem eiligen Rückzuge von Prag, und hausten als schlimme Gäste. Auch in den spätern preußischen Kriegen war Friedland öfters in Gefahr. Im Jahr 1802 wurde der Thurm neu mit Blech bedeckt, und in dem darauf folgenden Jahre ließ der gegenwärtige Besitzer der Herrschaft die Mauern ausbessern, das Innere zweckmäßig einrichten, und die Bildnisse aufstellen1. Im Schloßbezirke, theils an den Gehängen des Wittigthales, theils am Flusse, sind zum Theile Wohnungen für herrschaftliche Beamte, 1 Bräuhaus auf 35 Faß, 1 Branntweinbrennerei, 2 Mühlen, 1 Brettsäge, 1 Holzraspel, 1 Sensenschleife und Graupenmühle, 1 Tuchwalke, 1 Maierhof mit Schäferei, 1 Ziegelschlag, 1 Garnbleiche und 1 gut eingerichteter Gasthof, gewöhnlich Schloßschänke genannt, 1 großer gut angelegter Garten mit Treibhaus und vielen exotischen Gewächsen.

2. Stadt Friedland, nordwestlich am Fuße des Schloßberges und am Zusammenflusse der Wittig und des Rasnitzbaches, Schutzstadt, mit Mauern umgeben, hat 3 Vorstädte und mit diesen 549 Häuser mit 3.197 Einwohnern. Hier ist die Dechanteikirche zur Kreutzerfindung, im Jahr 1255 von den Herren von Berka errichtet, und durch Christoph von Biberstein 1549 erweitert und überbaut, 1714 und 1785 im Innern verschönert; der Ueberrest der von dem Herrn von Berka erbauten Kirche ist die jetzige Sakristei. Die Kirche hat ein Altarblatt von Johann von Aachen. Unter der Kirche ist die Familiengruft der Freiherren von Rädern und in der Kapelle über der Gruft befindet sich das kostbare Monument des Melchior Freiherrn von Rädern, der im Jahr 1600 im September zu Teutschbrod verstarb; er war kaiserlicher Hofkriegsrathspräsident und Feldmarschall, und ein tapferer Feldherr gegen die Türken. Das Monument ließ seine hinterbliebene Wittwe Katharina, geborne Gräfinn Schlick, erriechten; es ist aus rothem, grünem und weißem Marmor zusammengesetzt, 15 Ellen hoch und 10 Ellen breit, mit metallenen vergoldeten Tafeln mit Innschriften und Darstellungen aus der Feldherrnlaufbahn des Verstorbenen, und mit marmornen Figuren und Trophäen verziert; die metallene Bildsäule des Freiherrn befindet sich in der Mittelnische, über deren Haupte Genien von Alabaster angebracht sind. Auf der rechten Seite des Monumentes befindet sich das lebensgroße Bildniß der Wittwe, gleichfalls von vergoldetem Metalle, und auf der linken Seite das des Freiherrn Christoph von Rädern; in den über diesen beiden Statuen befindlichen Innschriften ist der Tag und die Jahrszahl des Absterbens nicht ausgefüllt; die Wittwe ließ nämlich sich und ihrem Sohne das Grabmahl bei Lebzeiten setzen; nach der Schlacht am Weißen Berge mußten jedoch beide als Geächtete flüchten; sie starben im Exil und ihre Güter kamen in andere Hände. Die Kosten dieses Monumentes, welches von dem Meister Erhard Heinrich aus Amsterdam, Bildhauer in Breslau, gearbeitet wurde, beliefen sich gegen 40.000 Reichsthaler, es wurden dazu 80 Centner Metall und 520 Centner Marmor verbraucht. In der Kirche befinden sich auch noch 3 Grabsteine der Freiherren von Biberstein, in Sandstein gehauen, und die steinerne Kanzel mit kleinen Figuren, dann der Taufstein, sind gleichfalls noch Denkmahle alterthümlicher Bildhauerkunst. Die hiesige Stradtschule, mit 3 Lehrern und einem Katecheten, besitzt mehre Schulstiftungen, theils zur Bekleidung armer Schulkinder, theils für Beischafftung des nöthigen Schulmaterials, und zur Erhaltung eines eignen, mit 300 Gulden C. M. gestifteten Schulkatecheten; diese Stiftungen wurden von Joseph Zappe, gewesenem Carmeliterordenspriester in Prag, mit 4.000 Gulden und von Johann Preußler 1822 mit einem Kapitale von 1.040 Gulden gemacht. Die Stadt besitzt das Rathhaus, und 1 Branntweinbrennerei. Das Bräuurbar, welches die Stadt in frühern Zeiten besaß, gab Veranlassung zu Streitigkeiten mit der Obrigkeit; im Jahr 1671 trat daher die Bürgerschaft dasselbe der Obrigkeit gegen Vergütung von 1 Gulden 30 Kreuzer von jedem Faß Bier, welches in der Stadt ausgeschänkt wird, ab, welches auch von Kaiser Leopold I. im Jahr 1673 bestätigt wurde. Der Gewerbsstand der Stadt zählt von Polizeigewerben 12 Bäcker, 14 Fleischhauer, 24 Schuhmacher, 8 Tischler, 4 Wagner, 3 Schmiedte, 4 Schlosser, 6 Griesler, 25 Schneider, 2 Glaser, 3 Faßbinder, zusammen mit 53 Gehilfen. Von Commerzial- und freien Gewerben sind hier 86 Tuchmacher, wovon jeoch bloß 30 das Gewerbe selbständig betreiben, 3 Hutmacher, 3 Drechsler, 3 Rothgärber, 4 Weißgärber, 3 Seiler, 1 Buchbinder, 1 Büchsenmacher, 1 Blattbinder, 1 Bürstenbinder, 10 Töpfer, 1 Schönfärber, 1 Schwarzfärber, 1 Feilenhauer, 1 Handschuhmacher, 3 Kürschner, 125 Weber, 1 Nagelschmiedt, 2 Riemer, 2 Sägenschmiedte, 3 Sattler, 2 Spengler, 1 Strumpfwirker, 1 Tuchwalker, 8 Tuchscheerer, 2 Uhrmacher, 2 Seifensieder, 1 Zuckerbäcker; sammt Gesellen und Lehrlingen 354 Personen; hiezu gehört noch eine große Garnbleiche, 1 Papiermühle und 1 Apotheke. Handelsleute sind: 3 gemischte Waarenhändler und 10 Hausirer. Die Stadt hat das Privilegium auf 3 Jahrmärkte von 8 Tagen, und auf Wochenmärkte, welche aber nicht abgehalten werden. Auf den Jahrmärkten kommen in 121 Buden und Ständen durch 175 theils in- theils ausländische Verkäufer Tuch, Leinwand, Kattune, Blech-, Eisen- und Kupferwaaren, Schuhmacherwaaren, Kotzen, Glas, Porzellän und Galanteriewaaren zum Verkaufe. Von Wohlthätigkeitsanstalten besitzt die Stadt 1 Spital für 6 Personen, im Jahr 1560 von Friedländer Bürgern gegründet und durch spätere Spenden vom Grafen Franz von Gallas, Ritter Platz von Ehrenthal, Wilhelm Scholz und Michael Fischer, vermehrt; es besitzt an Kapital 13.465 Gulden 55 Kreuzer W. W. Das Armeninstitut wurde am 1. Juli 1829 neu organisirt, und besitzt an Kapitalien 3.656 Gulden 32 Kreuzer W. W. und 573 Gulden 24 Kreuzer C. M. Die jährliche Einnahme, zu welcher der gegenwärtige Besitzer 150 Gulden und der gegewärtige Stadtdechant, der Pater Salomon, 75 Gulden W. W. spenden, beträgt 2.006 Gulden 47 Kreuzer W. W.; es werden 54 Arme betheilt. - In Friedland ist 1 Postamt und 1 Poststation, und die Briefsammlung für die ganze Herrschaft. Das Wappen der Stadt ist ein offenes Thor mit 2 Thürmen. Die Zeit der Entstehung der Stadt ist nicht bekannt; sie erfolgte wohl bald nach Erbauung der Burg und theilte zum Theile deren Schicksale. Im Jahr 1599 herrschte die Pest in Friedland; es starben 700 Menschen, und im Jahr 1600 und 1633 abermals. Zum Andenken an dieselbe wurde bei dem sogenannten Pestkirchhofe die große Kapelle zur heiligen Magdalena errichtet, welche im Jahre 1831 auf Veranstalung des Grafen Friedrich Clam Gallas, des (leider zu früh verstorbenen) Bruders des Besitzers, renovirt und mit einem Gemälde von Quatsser geziert wurde. Im Jahr 1639 fielen die Schweden in Friedland ein, vertrieben die katholischen Priester, besetzten die Kirche mit lutherischen Predigern, und hinterließen eine starke Besatzung, welche am 17. März von den kaiserlichen Truppen geschlagen und gefangen wurde. Im Jahr 1642 fielen die Schweden unter Torstensohn abermals ein, und um sich für den frühern Verlust, den sie der Verrätherei der Einwohner zuschrieben, zu rächen, plünderten sie die Stadt und zündeten sie an. Im Jahr 1759 fielen die Preußen unter Fouquet, 3.000 Mann stark, hier ein, nahmen 400 Kroaten gefangen und brandschatzten die Stadt. - Von den 3 Vorstädten, liegt die eine, Jäkelsthal, auch Neu-Friedland genannt, ½ Stunde nördlich von der Stadt, am Rösselsberge; sie zählt 54 Häuser und hat 1 Schule unter herrschaftlichem Patronate. Zur Dechanteikirche in Friedland sind eingepfarrt:

3. Ringenhain, Dorf von 124 Häusern mit 677 Einwohnern; es erstreckt sich von der Stadt in südlicher Richtung, längs einem kleinen Bache, auf ½ Stunde in die Länge, hat 1 Filialkirche zur heiligen Magdalena, und 1 Schule. Die Kirche ist nach der daran befindlichen Jahrszahl im Jahr 1233 errichtet, also früher, als die Herren von Biberstein Besitzer von Friedland waren; das Bibersteinische Wappen über der Sakristeithüre ist also eine spätere Zuthat.

4. Kunnersdorf, (früher Konradsdorf) ¾ Stunde westlich von Friedland, unfern der Gränze in einem Thale, zwischen dem Steimerichberge und dem Vorder- und Mittelberge, an einem kleinen Bache, er hier in die Wittig fällt, hat 100 Häuser mit 531 Einwohnern, 1 Filialkirche zu Allerheiligen, 1 Schule, 1 Wasser- und 1 Windmühle; südlich vom Orte an der Straße nach Zittau ist ein k.k. Zollhaus mit einem Gränzzollamte.

5. Wustung, Dorf 1¼ Stunden nordnordwestlich von Friedland, an der Wittig und an der äußersten Gränze, hat 66 Häuser und 368 Einwohner, 1 Schule. Hier ist 1 herrschaftlicher Maierhof, 1 Jägerhaus und eine Mühle und Brettsäge; in der Nachbarschaft längs der Gränze liegen die unbedeutenden Berge, der Mühlberg, Heideberg, Rühberg und Buchberg.

6. Priedlanz, Dorf, 1½ Stunde nordnordwestlich von Friedland, an der Wittig, und an der äußersten Gränze, hat 78 Häuser, 484 Einwohner. Hier ist 1 herrschaftlicher Maierhof und Schäferei und 1 Mühle, in der Nähe der Aschberg, 1 bloßer Hügel.

7. Weigsdorf, auch Waigsdorf, 1½ Stunden nordwestlich an der äußersten Gränze, gemischtes Dorf, wovon ein Theil der Häuser nach Sachsen, der andere, 66 an der Zahl, mit 335 Einwohnern zur Herrschaft Friedland gehören. Hier ist 1 protestantische Kirche, zu welcher nebst den hiesigen auch die protestantischen Einwohner von Wustung, Priedlanz und Lautsche eingepfarrt sind, dann 1 herrschaftlicher Maierhof, 1 Windmühle und 1 Oelschlägerei.

8. Wiese, Dorf 2½ Stunden nördlich von Friedland, an der äußersten Gränze von Sachsen und Preußen (die nächsten sächsischen Orte sind Trattlau, ¼ Stunde westlich und Wansche ½ Stunde nordwestlich. Die nächsten preußischen Orte Wilke ½ Stunde nordlich und Mästrich, östlich an Wiese anstoßend, und nur durch die Wittig getrennt.) Das Dorf hat 44 Häuser mit 254 Einwohnern, 1 Pfarrkirche zum heiligen Laurentius, auf einer Anhöhe gelegen, und 1 1829 ganz neu erbaute Schule unter herrschaftlichem Patronate, 1 herrschaftlicher Maierhof, 1 Mühle und Oelschlägerei, dann 1 Ziegelschlag. Wiese war früher ein Lehngut von Friedland, welches 1666 von den Erben des letzten Lehnträgers, Wolf von Uechtritz, Hauptmanns auf Grafenstein, dessen Grabmahl in der Kriche befindlich ist, an den Grafen Mathias von Gallas verkauft, und so der Herrschaft Friedland wieder einverleibt wurde. Die kleine Pfarrkirsche von altgothischer Bauart gehörte schon 1346 zur Meißner Diözöse, mag aber schon viel früher bestanden haben; sie hat ein Altarblatt von Leubner, und Wappen und Grabmähler der frühern Lehnbesitzer aus dem XVI. und XVII. Jahrhundert, Hochberg von Leipa, Nostitz von Ullersdorf, von Haugwitz, Kynau von Bertelsdorf, Geißler von Byla, Zaltza von Linde, Stanger von Stonsdorf, von Bellwitz, Cžernhaus, von Gersdorf, Rodowitz, Merzerode, Büchler, Millendorf; von vielen sind die Innschriften nicht mehr lesbar. Zu Wiese sind eingepfarrt:

9. Bunzendorf, ¼ Stunde südlich von Wiese, an der Wittig, hat 35 Häuser mit 223 Einwohnern. Hier ist 1 zum Theile zerstrückelter Maierhof mit Schäferei, 1 Mühle mit Brettsäge. Der Ort hieß früher Budiansdorf, (oder Putiansdorf,) und gehörte als Lehen den Herren von Puteani, von welchen es an Friedland verkauft wurde.

10. Philippsthal, Dorf, ¾ Stunde südlich von Wiese, an einem kleinen Bache, hat 16 Häuser mit 76 Einwohnern.

11. Engelsdorf, ¾ Stunde südwestlich von Wiese, hat 84 Häuser mit 552 Einwohnern. Hier ist 1 Kirche zur heiligen Anna, 1781 statt der früher von Holz erbauten errichtet, mit einem Altarblatte von Donat; sie ist der Pfarrkirche zu Wiese als Filiale zugetheilt; 1 Schule, und 1 herrschaftlicher Maierhof mit Schäferei. Nicht weit von hier auf der Gränze ist der Lohnberg.

12. Zahne, Dorf von 32 Häusern mit 155 Einwohnern, ¼ Stunde südlich vom vorigen; der hart an der Gränze liegende Ort ist nach Engelsdorf eingepfarrt und eingeschult; hier ist 1 Mühle.

13. Lautsche, Dorf von 33 Häusern mit 251 Einwohnern, liegt ¼ Stunde südöstlich von Engelsdorf, wohin es zur Kirche und Schule zugetheilt ist. Am Jäkelsberge zwischen Lautsche und Zahne, sind Spuren eines Schloßgebäudes.

14. Ebersdorf, ½ Stunde östlich von Wiese und 2½ Stunden nördlich von Friedland, an der Hauptstraße, ist von der preußischen Stadt Seidenberg bloß durch den Katzbach, oder das Höllenwasser, getrennt, hat 80 Häuser mit 455 Einwohnern, ist nach Wiese eingepfarrt und die hiesigen Protestanten sind zur Seelsorge nach Seidenberg zugetheilt; hier ist 1 k.k. Gränzzollamt, 1 Lehngericht mit 1 Branntweinbrennerei, 1 Mühle. Ebersdorf war vordem ein Lehngut von Friedland; die letzten Besitzer, die Herren von Rodowitz, verkauften das Lehen an den Grafen Wenzel Gallas im Jahr 1712. Es werden hier an gleichen Tagen mit Seidenberg Jahrmärkte gehalten.

15. Göhe, Dorf, 1 Stunde östlich von Wiese, ebenfalls hart an der Gränze, hat 49 Häuser mit 270 Einwohnern, zum Theile Protestanten, eine Schule, in welcher die Kinder beider Religionsverwandten gemeinschaftlich unterrichtet werden, 1 Mühle und Brettsäge; die hiesigen Protestanten sind nach Seidenberg eingepfarrt.

16. Tschernhausen (Černaus), Dorf von 41 Häusern mit 253 Einwohnern, ½ Stunde südöstlich von Wiese, wohin es eingepfarrt ist. Hier ist 1 herrschaftliches Lustschloß mit einer 1792 erbauten Schloßkapelle, zum heiligen Johann von Nepomuk, 1 herrschaftlicher Maierhof, 1 Mühle und Schäferei. Früher war dieß ein Lehngut von Friedland, welches die Herren von Černaus, dann die Herren von Speth besaßen; im Jahr 1664 wurde es eingekauft. Zu Tschernhausen gehören die einschichtigen Zimpelhäuser, 15 an der Zahl, ¼ Stunde südlich vom Orte, unfern dem Steinberge.

17. Nieder-Berzdorf, 2 Stunden nördlich von Friedland, liegt an einem Bache und hat 48 Häuser mit 284 Einwohnern, eine Kirche zum heiligen Jodokus, welche im Jahre 1346 als zur Meißner Diözöse gehörig vorkommt; gegenwärtig ist sie Filiale von Wiese; sie besitzt ein merkwürdiges Altarblatt, wahrscheinlich von Carlo Maratti gemalt, ein Geschenk des Grafen Gallas; 1 Schule; hier ist ferner 1 herrschaftlicher Maierhof, eine Schäferei und 1 Mühle.

18. Ober-Berzdorf, hangt mit dem vorigen zusammen und bildete mit ihm früher eine Ortschaft, Berzdorf, welches vordem ein Friedländer Lehngut war, und 1689 vom Grafen Franz Gallas eingekauft wurde. Ober-Berzdorf hat 94 Häuser mit 627 Einwohnern, hieher gehört das einschichtige herrschaftliche Jägerhaus Hainhaus, hart an der Gränze, die einschichtige Flarrschänke und 1 Mühle.

19. Neu-Berzdorf, hat 50 Häuser mit 303 Einwohnern, wurde 1782 auf einem Theile der emphyteutisirten Berzdorfer Maierhofsgründe errichtet; südlich von hier ist der Loderberg.

20. Bullendorf, auch Nieder-Bullendorf genannt, 1 Meile nördlich von Friedland, längs dem Bullendorfer Bache, an mäßigen Anhöhen erbaut, hat 192 Häuser mit 1.112 Einwohnern. Hier ist 1 Kirche zum heiligen Erzengel Michael, welche schon 1346 zur Meißner Diözöse einverleibt vorkommt; bis zum Jahr 1741 war sie als Filiale zur Pfarre in Wiese zugetheilt, wurde dann durch den Grafen Philipp Gallas zur Pfarre erhoben, und mit einem Pfarrer besetzt; 1 Schule, beide unter herrschaftlichem Patronate, 1 herrschaftlicher Maierhof mit Schäferei, und 1 Mühle. Hieher gehört auch das sogenantne Judithengut, vordem ein Lehnhof, der zur Herrschaft eingekauft und vertheilt wurde.

21. Arnsdorf, westlich am vorigen, an der Hauptstraße und am Bullendorf, hier Arnsdorfer Bache, in einem freundlichen Thale, hat 108 Häuser mit 597 Einwohnern. Hier ist 1 schöne Kirche zur heiligen Maria Magdalena, 1738 vom Grafen Philipp Gallas erbaut, bis 1741 Filiale von Wiese, dann aber als Filialkirche zur Pfarre zu Bullendorf zugetheilt, 1 Schule, beider unter herrschaftlichem Patronate, 1 herrschaftlicher Maierhof mit Schäferei, 1 Mühle. Arnsdorf war vordem ein Lehngut und wurde 1736 vom letzten Besitzer Heinrich von Unwürde an den Grafen Philipp Gallas verkauft.

22. Nieder-Ullersdorf, 2½ Stunden nordnordöstlich von Friedland, an der preußischen Gränze, hat 77 Häuser mit 488 Einwohnern, 1 Kirche zum heiligen Martin B., mit einem schönen Altarblatte von Leubner, ist als Filialkirche zur Pfarre zu Bullendorf zugetheilt; bis 1741 war sie Filiale von Wiese, 1 Schule, beide unter herrschaftlichem Patronate; dann ist hier 1 herrschaftlicher Maierhof und Schäferei, 2 Jägerhäuser, 2 Mühlen und 1 Brettsäge. Der Ort war früher ein Lehngut, im XVI. und Anfangs des XVII. Jahrhunderts im Besitze der Edlen von Eberhard auf Ullersdorf, von welchen mehre Grabsteine, gegenwärtig in der Todtenkapelle aufbewahrt, vorhanden sind.

23. Schönwald, Dorf, 1 Stunde nordöstlich von Friedland am Rasnitzbache, in einem seichten Thale, erstreckt sich gegen 1 Stunde in die Länge, hat 151 Häuser mit 776 Einwohnern. Hier ist 1 Kirche zur heiligen Helena, welche schon 1346 als zur Meißner Diözös gehörend vorkommt, 1764 neu erbaut wurde, früher Filiale von Friedland war, und 1778 mit einem Lokalseelsorger besetzt wurde, für welchen das Lokaliegebäude von den Einwohnern aus eigenen Mitteln erbaut wurde; 1 Schule; Kirche und Schule unter herrschaftlichem Patronate, 2 Mühlen, 1 Brettsäge und am westlichen Ende des Dorfes 1 herrschaftlicher Fasangarten, von welchem eine Allee zum Friedländer Maierhof führt. Die Einwohner haben beträchtliche Waldung und treiben zum Theile Holzhandel. Im 30jährigen Kriege wurde die Kirche und der Ort geplündert, und viele Einwohner von ihren Besitzungen verjagt. Hieher ist eingepfarrt und eingeschult:

24. Rückersdorf, hat 211 Häuser und 1.096 Einwohnern, liegt östlich an Schönwald am Rasnitzbache, an welchem hier 3 Mühlen und 1 Brettsäge sich befinden.

25. Heinersdorf (Heinrichsdorf), 2½ Stunden ostnordöstlich von Friedland, hat 187 Häuser mit 1.009 Einwohnern, liegt unfern der preußischen Gränze, an einem kleinen Bache, in einer waldigen, etwas bergigen Gegend. Hier ist eine Kirche zur heiligen Dreifaltigkeit, 1715 vom Grafen Philipp Gallas erweitert, und 1774 mit einem Pfarradministrator bestzt, 1 Schule, beide unter herrschaftlichem Patronate, 2 Mühlen und 1 Brettsäge; dann ist hier 1 k.k. Gränzzollamt. Auf dem Wege von hier nach Dittersbächel sieht man die wenigen Ruinen der ehemaligen St. Jakobskirche, welche von den Hussiten zerstört wurde. Zur Heinersdorfer Kirche sind eingepfarrt:

26. Münschendorf, ½ Stunde nördlich vom vorigen, an der preußischen Gränze, hat 139 Häuser mit 699 Einwohnern; hier ist 1 Schule, 2 Mühlen und 1 Brettsäge. Nordwestlich vom Dorf ist der so genannte Weiße Stein, eine Gruppe von Quarzfelsen, welche sich bis über die Gränze Böhmens fortzieht.

27. Dittersbächel, ¼ Stunde südöstlich von Heinersdorf, an einem kleinen Bache, hart an der Gränze, in einer etwas bergigen Gegend, hat 68 Häuser mit 375 Einwohnern, 1 Mühle.

28. Neustadtel, (auch Böhmisch-Neustadtel und Friedländer-Neustadtel genannt), Berg- und Schutzstadt, 2½ Stunden östlich von Friedland, an Fuße des Isergebirges, in einer Thalgegend, an dem unfern von hier entspringenden Lunz- oder Lomnitzbache, 1 Stunde von Wiegandsthal im Preußischen, hat 379 Häuser mit 2.430 Einwohnern. Hier ist eine Pfarrkirche zur heiligen Katharina, 1607 von Katharina von Rädern errichtet, 1683 vom Grafen Ferdinand Gallas mit einem katholischen Pfarrer besetzt, vom gegenwärtigen Herrschaftsbesitzer, dem Grafen Christian von Clam-Gallas aber danz neu und schön erbaut, und mit Gemälden von Führich und Quaisser beschenkt; dann 1 Schule, beider unter herrschaftlichem Patronate. Die Stadt besitzt das Rathhaus und 1 Branntweinbrennerei; die Häuser sind, wie in den meisten Gebirgsstädten, meist von Holz, die Gassen aber sehr regelmäßig angelegt. Nebst etwas Ackerbau und Viehzucht sind Gewerbe und etwas Handel die vorzüglichsten Nahrungszweige. Vom Gewerbsstande finden sich 8 Bäcker, 7 Fleischhauer, 1 Zimmermann, 2 Maurer, 2 Feilenhauer, 13 Schlosser, Schmiedte und Sägenschmiedte, 8 Schneider, 9 Schuhmacher, 4 Tischler, 1 Sattler, 1 Riemer, 3 Wagner, 3 Lohgärber, 1 Glaser, 6 Gürtler, 2 Müller, zusammen 70 zünftige Meister mit 38 Gesellen und 6 Lehrlingen; ferner 1 Branntweinbrenner, 4 Bier- und Branntweinschänker, 1 Weinschänker, 1 Griesler, 1 Höckler, 2 Katttun- und Tücheldrücker, 1 Seiler, 1 Porzelanmaler, 103 Kattun- und Leinweber, zusammen 115 Gewerbsbefugte mit 219 Gesellen und 122 Lehrlingen von unzünftigen Gewerben. Vom Handel nähren sich 3 gemischte Waarenhändler, 13 Hausirer und einige Holzhändler. Im hiesigen Gebirge, am Rappoldsberge, wird seit vielen Jahren ein fruchtloser Hoffnungsbau auf Zinn, durch einen Steiger und einen Häuer, betrieben; auch wurde am Kupferberge früher ein Bergbau auf einem Lager von Kupferkies mit Magnetkies und Arsenikkies gemengt, versucht, aus Mangel an Ergiebigkeit aber wieder aufgelassen. Die hiesigen 3 Jahrmärkte sind ohne Bedeutung, und die bewilligten Wochenmärkte werden nicht besucht. Das Armeninstituts-Vermögen besteht in 286 Gulden 19 Kreuzer W. W., die jährliche Einnahme in 201 Gulden 48 Kreuzer W. W.; es unterstützt 12 Arme. Die Stadt wurde von Melchior Freiherrn von Rädern 1584 angelegt, brannte 1653 bis auf wenige Häuser, und 1757 bis auf 111 Häuser, 1804 und 1813 ein bedeutender Theil der Stadt ab. In der Nähe der Stadt auf der Gränze zwischen preußischen Wiegandsthal finden sich noch Spuren von den im 30jährigen Kriege zerstörten Orte Schickewald. Zur hiesigen Kirche sind eingepfarrt:

29. Bernsdorf (Bärnsdorf, Bernhardsdorf), ¾ Stunde nordwestlich von Neustädtel, am Rasnitzbache, in einem Thale zwischen dem Hutberge, dem Hummerich und Damerichberge (unbedeutende Anhöhen), hat 173 Häuser mit 893 Einwohnern. Hier ist 1 Filialkirche zu Mariä-Empfängniß, 1 Schule, 1 herrschaftliches Jägerhaus und 2 Mühlen.

30. Hegewald, ¼ Stunde nordwestlich von Neustädtel, früher ein einschichtiger Maierhof, von welchem ein Theil der Gründe im Jahr 1787 vertheilt wurde, und auf welchen das Dörfchen, auch die Neuhäuser genannt, entstand, hat 37 Häuser mit 175 Einwohnern. Hier befindet sich 1 herrschaftlicher Maierhof, 1 Jägerhaus, 1 Mühle und 1 Leinwandbleiche.

31. Lusdorf (Lustorf, sonst Ludwigsdorf), ½ Stunde südwestlich von Neustädtel, an einem kleinen Bache, welcher in den Lunzbach fällt, hat 174 Häuser mit 1.008 Einwohnern, 1 Filialkirche zu St. Peter und Paul, welche schon 1346 vorhanden war, 1 Schule, beide unter herrschaftlichem Patronate, 2 Mühlen und 1 Brettsäge. ¼ Stunde von hier, am Fuße des Kupferberges, findet sich im Walde ein stark quellendes, angenehm säuerlich schmeckendes, eisenhaltiges Mineralwasser, welches zwar gefaßt, aber nicht näher untersucht ist, obwohl es sich zu Versendungen eignen dürfte. Zu Lustorf gehören 31 Häuser von der so genannten Ueberschaar, ¼ Stunde südlich vom Orte, etwas zerstreut liegend.

32. Haindorf, 2 Stunden südöstlich von Friedland, am Fuße des Isergebirges, an der Wittig, in einer schönen Gebirgsgegend, hat 203 Häuser mit 1.358 Einwohnern. Hier ist eine berühmte Wallfahrtskirche zu Mariä-Heimsuchung, von Philipp Joseph Grafen von Gallas, und seiner Mutter Emerenziana, geborene Gräfinn von Gaschin, im Jahr 1722 durch den berühmten Baumeister Fischer von Erlach, groß und schön in Form eines Kreuzes erbaut, 100 Ellen lang, 70 Ellen breit, mit 2 Thürmen und 6 Kapellen, mit einem Kreuzgange umgeben; dabei ein Franziskanerkloster, vom Grafen Franz Ferdinand von Gallas 1691 gestiftet. Eine breite hochstämmige Lindenallee führt durch das Dorf zur Kirche. Früher war hier bei dem Gnadenbilde, Maria formosa genannt, bloß eine, von Bernard von Biberstein, Herrn auf Hutberg und Bernstadt, im XIII. Jahrhundert erbaute Kapelle. Das Kloster und die Kirche brannten im Jahr 1762 fast gänzlich ab, wurden aber von Johann Christoph von Clam, Administrator der Herrschaften, wieder hergestellt. Im Jahr 1786 wurde die Kirche zu einer Pfarrkirche erhoben, bis dahin war sie Filiale von Raspenau, und die zur Seelsorge bestimmten Priester, 1 Pfarrer und 2 Kooperatoren aus dem Franziskanerorden, mit Beibehaltung ihrer Ordenskleider in die neuerbaute Pfarrei eingeführt. In der ehemaligen Marienkapelle ist die Familiengruft der Grafen Gallas und der jetzigen Besitzer Grafen von Clam-Gallas. Im Dorf ist 1 Schule, 1 herrschaftliches Jägerhaus, 1 Mühle und 2 Brettsägen, dann 2 gut eingerichtete Gasthäuser. Der schönen Lage und Gegend wegen wird es von den Badegästen des nahe gelegenen Liebwerda stark besucht, und an Wallfahrtstagen strömen Menschen von Nahe und Ferne, auch aus Schlesien und Sachsen herbei, um hier ihre Andacht zu verrichten. Zu Haindorf sind eingepfarrt:

33. Weißbach, Dorf, 2½ Stunden südöstlich von Friedland, am Isergebirge und der von demselben herabeilenden Wittig, hat 241 Häuser mit 155 [sic!] Einwohnern. Hier ist 1 Kapelle, 1 Schule, 1 Mühle und 3 Brettsägen. Hieher gehört das einschichtige Jägerhaus Hinterborn, ¼ Stunde östlich von Weißbach, dann das Wittighaus 1 Stunde, das Börnelhaus 1¼ Stunden und das Paulhaus 1½ Stunden von hier entfernt, einsam auf dem Gebirge liegende Wohnungen mit Alpenwirthschaften. Die Einwohner nähren sich hier größtentheils von Verfertigung verschiedener Holzgeräthe und treiben damit bedeutenden Handel.

34. Ferdinandsthal, ¼ Stunde südöstlich von Haindorf, im Gebirge, an der Stolpige, hat 44 Häuser mit 419 Einwohnern. Hier ist 1 Papiermühle. Das Dorf wurde im Jahr 1783 auf einem ganz wüsten herrschaftlichen Grunde angelegt.

35. Liebwerda (Liwerde), Dorf von 123 Häusern mit 704 Einwohnern, liegt an einem kleinen Bache gleiches Namens, der unweit von hier in die schäumende Wittig fällt, in einem anmuthigen, durch treffliche Gartenanlagen und Spaziergänge verschönerten Thale, 2 Stunden von Friedland ostsüdöstlich, hat 1 1820 neuerbaute Schule, 2 Mühlen und 1 Brettsäge. Liebwerda ist ein berühmter Brunnen- und Badeort, welcher zwar nicht unter die weltberühmte Kurorte ersten Ranges in Böhmen gehört, doch hinsichtlich seines Rufes im Inlande und in den beiden Nachbarländern, hinsichtlich seiner Besuchtheit und seiner trefflichen Einrichtungen sich unmittelbar an jeden anschließt, und gleichen Rang mit den berühmtern übrigen, auf der Nordseite der Sudeten liegenden, behauptet, die meisten derselben aber übertrifft. Es verdient diesen Ruf sowohl wegen der Beschaffenheit und des Gehaltes der Quellen, und ihrer bewährten Heilkräfte, sowohl bei innerlichem als äußerlichem Gebrauche, als auch der trefflichen Anstalten für die Bequemlichkeit und das Vergnügen der Kurgäste, und für die Verschönerung der schon von Natur ungemein reizenden Gegend, welche theils wailand Graf Christoph von Clam-Gallas, theils dessen Sohn, der menschenfreundliche und edelherzige gegenwärtige Besitzer der Herrschaft, hier geschaffen haben. Das Thal von Liebwerda verläuft sich östlich bis an den bewaldeten Fuß des Isergebirges, und mündet westlich in das Wittigthal, ist gegen Mittag durch einen niedrigen Hügelrücken, über welche eine Allee nach Haindorf führt, und nördlich durch den Klötzerbusch und den Eichberg geschlossen. Mehre Punkte auf dem Rücken dieser, mit mannichfaltigen Anlagen und Spaziergängen bedeckten Gehänge, gewähren höchst malerische Ansichten des unfern in Süd steil aufsteigenden hohen Isergebirges, und treffliche Aussichten, nicht nur über das Hügelland der Herrschaft Friedland und das anmuthige Wittigthal, sondern auch in die benachbarte Lausitz, in die Gegend von Zittau, Herrnhut, Görlitz bis zur Landskrone. Die Quellen entspringen am Fuße des nördlichen Thalgehänges aus Gneus, und obwohl Reuß in seiner „Mineralogischen Geographie des Bunzlauer Kreises“ dafür hält, daß diese Quellen nicht aus dieser Urfelsart, sondern aus den darauf gelagerten Flötzlagen kommen, so widerlegt sich diese Meinung hinreichend durch den Umstand, daß dergleichen jüngere Flötzlagen, als dem Gneuße aufgelagerte Gebirgsformationen, hier nirgends vorhanden sind, das aufgeschwemmte Land ausgenommen, welches zum Theile aus der Zerstörung des leicht verwitterbaren Gneußes selbst gebildet und aus losen Gesteinen, Grus, Sand und Gerölle besteht, welche sich hie und da in nicht großer Mächtigkeit, aber eben nicht viel in der Nachbarschaft der Quellen vorfinden. Liebwerda‘s Heilquellen waren schon in alten Zeiten bekannt, doch geriethen sie, wahrscheinlich durch die häufigen Landesunruhen, wieder in Vergessenheit; Kaspar Schwenkfeld rühmte sie in seinem 1600 herausgekommenen Werke: Stirpium et fossilium Silesiae Catalogus etc. als ein liebliches Mineralwasser von vortrefflichen Wirkungen, dessen sich August, Churfürst in Sachsen, mit trefflichem Erfolge bedient hatte. Christian Philipp Graf von Clam-Gallas ließ die Brunnen reinigen und fassen, und durch den Dr. Joseph Heinrich Bauer, Physikus in Prag, untersuchen. Im Jahr 1786 gab Dr. Johann Mayer, Mitglied der königlichen Gesellschaft der Wissenschaften zu Prag, eine Beschreibung davon heraus. Im Jahr 1810 ließ der gegenwärte Herrschaftsbesitzer durch den berühmten böhmischen Hydrographen, den Bergrath Dr. Franz Ambrosius Reuß, die Quellen neuerdings chemisch untersuchen, und da die Heilkräfte der Brunnen bewährt gefunden wurden, so wurde nebst den schon früher bestandenen Trinkanstalten auch ein Badehaus für Männer mit 8 Bädern und eines für Frauen mit 9 Bädern errichtet, und die Umgebungen durch Gartenanlagen, Alleen, Spaziergänge mit verschiedenen Ruheplätzen verschönert. Eigentlich sind 4 Brunnen, welche für den Gebrauch gefaßt sind, der Christiansbrunnen, der Josephinenbrunen, der Wilhelmsbrunnen, diese sind Säuerlinge, welche zum Trinken dienen, dann der Stahlbrunnen, die berühmteste und wassereichste unter diesen Quellen, welche in 24 Stunden 669 Kubikfuß Wasser giebt, und sowohl zum Trinken als auch zum Baden verwendet wird. Sowohl die Säuerlinge, als der Stahlbrunnen werden auch in Flaschen gefüllt versendet. Der Gehalt der Quellen besteht nach den Untersuchungen von Reuß, in etwas Extraktivstoff, kohlensaurem Natron, schwefelsaurem Natron, Kochsalz, kohlensaurer Talkerde, kohlensaurer und schwefelsaurer Kalkerde, und Eisenoxyd, an welchem letztern der Stahlbrunnen sich vorzüglich reich, und in seiner Zusammensetzung wie in seinen Wirkungen ganz ähnlich dem Spaawasser zeigt; der Gehalt an kohlensaurem Gas ist bei dem Christiansbrunnen 108 pro Cent, beim Josephinenbrunnen 18,79 pro Cent, beim Wilhelmsbrunnen 83,68 pro Cent und beim Stahlbrunnen 100 pro Cent dem Volumen nach. Die Temperatur der Quellen ist zwischen 8 und 9 Grad Reaumur, bei dem Gebrauche zu Bädern muß aber das Wasser gewärmt werden. Nebst den Badehäusern befindet sich hier 1 herrschaftliches Schloß, 1 schönes trefflich eingerichtetes Traiteurhaus, und mehre, auf herrschaftliche Kosten errichtete Gebäude zur bequemen Unterkunft der Kurgäste. Zum Dorf Liebwerda gehören auch 2 einschichtige Häuser, auf der Ueberschaar genannt, ¾ Stunde entfernt.

36. Mildeneiche, Dorf von 41 Häusern mit 252 Einwohnern, liegt im Thale am rechten Ufer der Wittig, 1½ Stunden von Friedland, erstreckt sich bis gegen Haindorf; hier ist 1 Mühle und 1 Brettsäge. Das Dorf ist eingepfarrt und eingeschult nach

37. Raspenau, Dorf von 229 Häusern mit 1.415 Einwohnern, erstreckt sich von seinem westlichen Ende, unfern dem Friedländer Schloßbezirke, längs dem linken Ufer der Wittig auf 1½ Stunden in die Länge. Von den Häusern sind 38 auf dem 1787 emphyteutisirten herrschaftlichen Maierhof erbaut. Hier ist 1 alte Kirche zu Mariä-Himmelfahrt, welche schon 1346 als dem Meißner Sprengel einverleibt erscheint. Nach Wiedereinführung der katholischen Religion wurde sie als Filiale der Dechanteikirche in Friedland zugetheilt, und im Jahr 1726 wieder zur Pfarre erhoben (sie besitzt 1 schönes Gemälde von Führich), 1 Schule, beide unter herrschaftlichem Patronate. Die hiesigen Kalksteinbrüche, am Kalkberge, liefern seit Jahrhunderten Kalkstein für die ganze Herrschaft, und schönen weißen grüngefleckten Marmor, der hier auch verarbeitet wird; es sind hier 2 herrschaftliche und 5, den Unterthanen gehörige, Kalköfen. Vordem bestand hier ein Eisenwerk, welches besonders stark unter dem Herzoge von Friedland, Albrecht von Waldstein, betrieben wurde, der hier Munition und andere Kriegsbedürfnisse, und das Eisen für den Bau seiner Paläste in Prag und Gitschin verfertigen ließ; das hiesige Wirthshaus führt noch davon den Namen Hammerschänke. Viele Einwohner nähren sich durch Weberei, auch sind hier 2 Brettsägen und 1 herrschaftliches Jägerhaus.

38. Mildenau, Dorf von 169 Häusern mit 1.039 Einwohnern, Raspenau gegenüber am rechten Ufer der Wittig; die untern 25 Häuser vom Einflusse des Lamnitzbaches, sind nach Friedland, die übrigen nach Raspenau eingepfarrt. Hier sind 2 Mühlen, wovon die eine am Lamnitzbache die Lunzmühle genannt wird.

39. Karolinthal, Dorf von 65 Häusern mit 445 Einwohnern, 1½ Stunden östlich von Friedland, am Telkebache, in einem flachen Thale zwischen dem Eichberge und dem hohen Hahne. Hier war früher 1 herrschaftlicher Maierhof mit 6 Häusern, die Hölle genannt; durch Emphyteutisirung desselben im Jahr 1787 entstand dieses Dorf, welches zu Ehren der Gräfinn Karoline von Clam-Gallas benannt wurde. Die Einwohner treiben zum Theile Weberei; der Ort ist nach Raspenau eingepfarrt.

40. Dittersbach, 1 Stunde südlich von Friedland, am Gebirge, am sogenannten Mordwasser und Erlenwasser, hat 174 Häuser mit 934 Einwohnern, welche sich großentheils durch Weberei nähren. Hier ist 1 alte Kirche, nach dem Friedländer Urbarium bereits 1409 vorhanden, bis 1786 Filiale von Friedland, seit dem zur Lokalie erhoben, 1 1820 neuerbaute Schule, beide unter herrschaftlichem Patronate, 1 Mühle und Brettsäge. Hieher sind eingepfarrt:

41. Hermsdorf, 1 Stunde südwestlich von Friedland, an der äußersten Landesgränze, an das sächsische Dorf Markersdorf anstoßend, am Kyprabache, hat 111 Häuser mit 538 Einwohnern, 1 Schule, 3 Mühlen, 1 herrschaftliches Jägerhaus und 1 Brettsäge. Viele Einwohner nähren sich durch Lohnweberei.

42. Christiansau, Dorf, ¼ Stunde südwestlich von Dittersbach, hat 73 Häuser mit 395 Einwohnern, ist auf dem 1780 zergliederten Hermsdorfer Maierhof erbaut.

43. Olbersdorf, gewöhnlich Wüst-Ullersdorf, in frühern Zeiten Albrechtsdorf, hat 80 Häuser mit 478 Einwohnern, liegt im Gebirge am Scheidebache, 1½ Stunden südlich von Friedland, an das zur Herrschaft Reichenberg gehörige Dorf Mühlscheibe anstoßend, hat eine, 1820 neu erbaute, Schule. Das Hauptgewerbe der Einwohner ist Lohnweberei.

44. Hohenwald, Dorf, am Hochwalde, ganz nahe an der sächsischen Gränze, 2 Stunden südsüdwestlich von Friedland, nach Schaller von den Preußen angelegt, als sie 1745 im Winter von kaiserlichen und sächsischen Truppen hier eingeschränkt waren, hat 31 Häuser mit 185 Einwohnern, ist nach Ober-Wittig auf der Herrschaft Reichenberg eingepfarrt und eingeschult. Hier ist 1 Windmühle; die Hauptbeschäftigung der Einwohner ist Lohnweberei.

45. Einsiedel, Dorf von 138 Häusern mit 941 Einwohnern, liegt 3 Stunden südlich von Friedland, im Gebirge, am Görsbache. Die hiesige Kirche bestand schon vor der Reformation, dann wurde sie als Filiale zu Friedland, und 1674 zu Wittig zugetheilt; im Jahre 1739 wurde sie neu von Stein erbaut und 1766 zur Pfarre erhoben; auch ist hier 1 Schule; beides unter herrschaftlichem Patronate, und 1 Mühle. Die Einwohner nähren sich, so wie die der übrigen Gebirgsdörfer, von Spinnerei, Lohnweberei, Taglohn und Holzfällen. Zu Einsiedel sind eingepfarrt und eingeschult:

46. Busch-Ullersdorf, nordöstlich an voriges anstoßend, von Bergen und Waldung umgeben, hat 103 Häuser mit 840 Einwohnern, 1 Mühle, 4 Bleichen und 4 Brettsägen.

47. Philippsgrund, Dorf, 1 Stunde nordöstlich von Einsiedel an das vorige anstoßend, hat 31 Häuser mit 232 Einwohnern. Hier ist 1 herrschaftliches Jägerhaus.

48. Philippsberg, Dorf, ½ Stunde nordwestlich von Einsiedl, am sogenannten Scheidebache, hat 36 Häuser mit 230 Einwohnern.

49. Iser oder Buchberg, gegenwärtig auch Wilhelmshöhe genannt, 21 zerstreute Häuser mit 134 Einwohnern, 6 Stunden südöstlich von Friedland auf der sogenannten Iserwiese und am Fuße des Keulichten Buchberges im hohen Gebirge liegend. Die Einwohner leben von Holzfällen und von Viehzucht ohne Ackerbau, dessen Produkte sie von Pollaun und Přichowitz 2 bis 3 Stunden entfernt herbeischaffen müssen. Ihre Wohnungen heißen auch Bauden oder die Iserhäuser, und wahrscheinlich ist eine derselben die von Schaller unter dem Namen Baude Ling Elis angeführte, welche seitdem ihren Namen und Besitzer geändert hat. Hier ist 1 herrschaftliches Jägerhaus. Früher gehörte der Ort ins Gericht nach Weißbach, eingepfarrt ist er nach Pollaun, auf der Herrschaft Semil. Seit kurzem ist hier 1 Glashütte errichtet worden (Firma Franz Riedel), in welcher Hohlglas und Lustersteine erzeugt werden.

1 S. Das Schloß Friedland in Böhmen, etc. von Franz Rémethy, Prag 1818.

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